Ich will kein Tinder bauen.
Ich will Tinder auch nicht töten. Wenn irgendwann eine ausreichend gute öffentliche Alternative auftaucht, wird das alte Modell einfach weniger notwendig. Das reicht mir.
Ich denke an etwas anderes.
In Großstädten sind wir von mehr Menschen umgeben als je zuvor, und manchmal finden wir einander schwerer als Menschen in einem Dorf vor zweihundert Jahren. Technologie verkürzt angeblich Distanzen, aber sehr oft macht sie Einsamkeit nur effizienter.
Liebe ist kein winziges privates Extra. Freundschaft auch nicht. Echte Nähe ist Infrastruktur für menschliches Leben. Ohne sie werden wir kränker, zynischer, leichter manipulierbar und weniger lebendig.
Also stelle ich eine einfache Frage.
Was wäre, wenn es eine Plattform für Dating, Freundschaft und Nähe gäbe, die für immer kostenlos ist? Nicht freemium. Nicht "kostenlos, bis du einsam genug bist." Kein Produkt, das deine Verzweiflung in Umsatz pro Nutzer optimiert.
Kostenlos so, wie Wikipedia kostenlos ist. Als Gemeingut gepflegt. Offen, einsehbar, mit klaren Regeln, ernsthafter Moderation, Respekt vor persönlichen Daten und ohne dunkle UX-Tricks.
Ich weiß nicht, ob so etwas global beginnen sollte. Wahrscheinlich nicht. Vielleicht sollte es lokal beginnen. Bulgarien ist klein genug, damit die Wahrheit schnell sichtbar wird, und real genug, damit das Ergebnis zählt.
Ich weiß nicht, ob Staaten, Kommunen oder die Europäische Union so etwas finanzieren würden. Aber wenn wir Straßen, Bibliotheken, Spielplätze und psychische Gesundheit finanzieren, warum wäre es dann absurd, auch über digitale Infrastruktur für menschliche Nähe nachzudenken?
Besonders dann, wenn Einsamkeit wächst, junge Menschen die alten Dating-Apps verlassen und ganze entwickelte Gesellschaften sich fragen, warum es für Menschen schwieriger wird, Familien zu gründen.
Das ist noch kein Projekt. Es ist ein Keim.
Ich schreibe das nicht, um Ruhm, Investoren oder Abonnenten zu sammeln. Ich schreibe es, weil manchmal ein Gedanke auf dem Tisch liegen bleiben muss, damit man sehen kann, ob er lebendig ist.
Und um zu verstehen, ob hinter dieser Tür auch jemand anderes steht.

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